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Kredit vorzeitig ablösen: Sonderkündigungsrecht in der Baufinanzierung

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- Sie möchten Ihren Kredit vorzeitig ablösen? Hier erfahren Sie, wann eine Kündigung Ihrer Baufinanzierung ohne Kosten möglich ist und welche Bedingungen an das Sonderkündigungsrecht geknüpft sind.

Quelle: Colourbox

Was ist das Sonderkündigungsrecht?

Mit dem Sonderkündigungsrecht gemäß §489 Abs. 1 Nr. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches ermöglicht der Gesetzgeber einen vorzeitigen Ausstieg aus einem laufenden Immobilienkredit. Dieses Sonderkündigungsrecht umfasst folgende Grundbedingungen:

  • Sobald Ihre Baufinanzierung mindestens 10 Jahre läuft, können Sie kündigen.
  • Und zwar ganz egal, wie lange Ihre Sollzinsbindung eigentlich noch laufen würde (z.B. noch 5 Jahre, noch 10 Jahre...)
  • Die Kündigungsfrist beträgt 6 Monate.
  • Die Bank darf bei einer Sonderkündigung keine Vorfälligkeitsentschädigung berechnen. Das heißt, Sie kommen ohne weitere Kosten aus dem Vertrag heraus.

Damit eröffnet das Sonderkündigungsrecht Ihnen die Möglichkeit, Ihre Baufinanzierung nach frühestens zehn Jahren zu erneuern. Warum es sich lohnt, darüber nachzudenken? Weil Sie nach einer Sonderkündigung eine Umschuldung zu einer neuen Bank vornehmen und damit in der Regel eine Menge Geld sparen können.

Sonderkündigungsrecht nutzen

Auf den ersten Blick sehen die Grundbedingungen des Sonderkündigungsrechts gar nicht so kompliziert aus. Leider ist das Ganze trotzdem nicht so einfach, denn es sind einige Fristen und Grundregeln zu beachten, wenn Sie Ihre Baufinanzierung nach 10 Jahren kündigen möchten. Wir zeigen hier, wie Sie dabei genau vorgehen und an welche Fristen Sie denken müssen.

Darlehen kündigen nach 10 Jahren

1. Kündigungsdatum herausfinden
Zuerst müssen Sie ermitteln, zu welchem Datum Sie die Baufinanzierung kündigen können. Entscheidend hierfür ist aber nicht das Datum, an dem Sie den Vertrag mit der Bank damals unterschrieben haben, sondern das Datum, an dem der Kredit einst vollständig an den Verkäufer ausgezahlt wurde. Darüber müssen Sie damals eine schriftliche Bestätigung von Ihrer Bank erhalten haben. Schauen Sie also in Ihren Unterlagen nach. Ist diese Information nicht auffindbar, hilft ein Anruf bei der Bank weiter.

2. Checken: Hat es Änderungen am Vertrag gegeben?

Falls der Vertrag in der Zwischenzeit inhaltlich verändert und nochmal neu unterschrieben wurde, läuft die 10-Jahres-Frist erst ab dem Datum der Änderungsvereinbarung los, das ursprüngliche Datum der Vollauszahlung zählt nicht mehr. Das ist zum Beispiel bei einer Prolongation der Fall, wenn Sie also Ihre ursprüngliche Baufinanzierung nach Ablauf der ersten Zinsbindung schonmal bei derselben Bank verlängert haben.

3. Frühestmöglichen Kündigungstermin ermitteln
Wir gehen nun einmal davon aus, der Vertrag wurde zwischenzeitlich nicht verändert, und das ursprüngliche Datum der Vollauszahlung zählt. Angenommen, am 01.01.2010 wurde die Baufinanzierung komplett ausgezahlt. Addieren Sie ab dem nächsten Tag (02.01.2010) zehn Jahre hinzu, dann kann die Baufinanzierung frühestmöglich ab dem 02.01.2020 mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt werden. Kündigen Sie genau am 02.01.2020, dann ist der Tag, zu dem Sie kündigen, der 02.07.2020. An diesem Tag wird Ihre Baufinanzierung dann auslaufen.

4. Kündigungsbrief verfassen
Nachdem Sie nun wissen, zu welchem Termin Sie kündigen können, ist es nun an der Zeit, die schriftliche Kündigung an die Bank zu verfassen. Dazu benötigen Sie die Darlehensnummer, welche die Bank Ihrem Darlehen zugewiesen hat. Sie finden diese Darlehensnummer in Ihrem Immobilienkredit Vertrag. Diese Darlehensnummer nennen Sie am besten direkt in der Betreffzeile des Vertrags.

Außerdem wichtig: Gibt es mehrere Darlehensnehmer, zum Beispiel Sie und Ihren Ehepartner, dann müssen auch beide die Kündigung unterzeichnen. Und auf Pünktlichkeit kommt es an: Möchten Sie zum frühestmöglichen Termin kündigen, muss der Kündigungsbrief exakt am 02.01.2020 bei der Bank eingegangen sein. Verschicken Sie den Brief am besten per Einschreiben/Rückschein, dann erhalten Sie am Ende einen schriftlichen Nachweis über den fristgerechten Eingang der Kündigung.

5. Anschlussfinanzierung abschließen
Sie haben den Brief abgeschickt und gekündigt, nun beginnt die sechsmonatige Kündigungsfrist. Die alte Bank lässt Sie keinen Tag vor dem 02.07.2020 aus Ihrem Vertrag, diese Zeit müssen Sie also abwarten. Diese Phase können Sie sinnvoll überbrücken, indem Sie sich schon mal um eine Anschlussfinanzierung kümmern, damit Sie den in sechs Monaten fälligen Betrag der Restschuld auch ablösen können. Sonst verlangt die alte Bank die Summe von Ihnen, und Sie stehen mit leeren Händen da.

6. Restschuld fristgerecht ablösen
Nachdem die Kündigungsfrist am 02.07.2020 abgelaufen ist, wird die Restschuld bei der alten Bank fällig. Sie muss innerhalb von zwei Wochen beglichen werden. In unserem Beispiel heißt das: Der offene Betrag muss bis zum 15.07.2020 um 23.59 Uhr bei der alten Bank eingegangen sein. Das müssen Sie ernst nehmen, denn die Kündigung wird unwirksam, falls der Betrag zu spät eingeht. In diesem Fall müssten Sie eine neue Kündigung aussprechen und nochmal 6 Monate warten. Das kann sehr ärgerlich sein, vor allem, wenn Sie schon eine neue Finanzierung abgeschlossen hatten, die Sie nun gar nicht benötigen. Hier können Bereitstellungszinsen und somit zusätzliche Kosten fällig werden.